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08.12.2017

Film über 25. FED-Konferenz - Networking und Wissensaustausch für die Elektronikbranche
In einem Film hat der FED die Statements der Teilnehmer, Referenten, Aussteller, und Organisatoren der diesjährigen FED-Konferenz eindruc…

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28.11.2017

NORTEC Forum – Elektronikfertigung am 23.01.2018
Am 23.01.2018 findet zum 4. Mal das Nortec Forum – Elektronikfertigung statt. Der FED ist für das Vortragsprogramm an diesem Tag er…

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17.11.2017

Band 17 der Bibliothek des Wissens - FED Projekt: „Übergang Starr-Flexbereich“ Abschlussbericht
Ein Bereich der in den gängigen Designrichtlinien lückenhaft beschrieben ist und damit immer wieder zu „Grauzonen“ in technis…

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REACh-Kongress 2014

Am 01. und 02. Dezember des vergangenen Jahres fand in den Räumen des Umweltbundes Amtes in Dessau der REACh-Kongress 2014 statt.   Er standt unter dem Motto:  Dialog – Verantwortung – Perspektiven und wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsichert und der Ökopol GmbH  organisiert.   20  Referenten der Europäischen Kommission, der Chemikalienagentur, der OECD und des Bundesumweltministeriums, sowie Vertreter aus dem Bereich  Chemikalienhersteller, des Handel und der Verarbeitung von Chemikalien nahmen dazu Stellung. Zwei Podiumsdiskussionen rundeten die Veranstaltung ab. Nachfolgend ein Abriss der Veranstaltung:

Nach der Begrüßung der ca. 150 Teilnehmer durch das Umweltbundes Amt und dem Bundesumweltministerium nahm Klaus Berend von der Europäischen Kommission zu laufenden Prozessen, Aktivitäten und deren Herausforderungen Stellung. Die REACh-Verordnung ist die Basis der EU-Chemikalienpolitik, sie schützt die menschliche Gesundheit und die Umwelt und sorgt für Wettbewerbsfähigkeit am Markt. Die beiden in der Vergangenheit liegenden Registrierungsfristen wurden eingehalten.  Es wurde festgestellt, dass für die KMU’S ein hoher administrativer Aufwand notwendig ist, der laut einer Mitteilung aus 2014 verringert und vereinfacht werden muss. Bis zur nächsten Registrierungspflicht 2018 sind entsprechende Maßnahmen geplant. Zur Behandlung  von Nano-Materialien sind Änderungen der Datenanforderungen in den REACh-Anhängen vorgesehen. Ein entsprechender Vorschlag sollte im 1. Halbjahr 2015 vorliegen.
Die am Zulassungsverfahren geäußerte Kritik fand Resonanz in der REFIT-Mitteilung 2014. Z.B.: Reduzierung der Häufigkeit in der Stoffe im Anhang XIV zugefügt werden, ein vereinfachtes Zulassungsverfahren und mehr Berücksichtigung der sozioökonomischen Gesichtspunkte. Zurzeit liegen zu viele Anträge auf Zulassung vor, so dass nach Möglichkeiten für Ausnahmen gemäß  Artikel  58 gesucht wird. Auswahl über  ein vereinfachtes Verfahren für Stoffe, deren Nutzen in der Weiterverarbeitung mögliche Risiken durch einen Stoffwechsel überwiegt (gilt für geringe Mengen, Stoffe die den Arbeitsschutz besonders betreffen und Stoffe für die Forschung und Entwicklung).
Der SVHC-Fahrplan 2020 legt fest, dass bis zu diesem Zeitpunkt alle relevanten SVHC-Stoffe in die Kandidatenliste aufgenommen sind, um das Ziel einer Planbarkeit zu erreichen. Eine zentrale Rolle in der Festlegung der relevanten Stoffe spielt die RMOA (Risikomanagement-Analyse – Risk Management Option Analyse). Sie wird von einem Mitgliedsstaat oder der ECHA durchgeführt und noch vor der Einreichung des Dossiers mit anderen Mitgliedsstaaten und der Kommission besprochen, um Übereinstimmung zu erreichen. Die Industrie wird angehalten ihre Registrierungsdossiers permanent zu aktualisieren und alle notwendigen Dokumente  vorzulegen und entsprechend in der Lieferkette zu verteilen.
Neue Beschränkungen,  im Anhang XVII,  sind in den Änderungen des EU-Amtsblattes aufgezählt. Weitere Beschränkungen sind auf Vorschlag von Schweden und Niederlande, sowie der ECHA selber in Vorbereitung.

Vor welchen Herausforderungen die ECHA steht berichtet der KMU-Botschafter der ECHA  Andreas Herdina. Die Bewertung der Dossiers soll zum sicheren Gebrauch von Chemikalien führen und besorgniserregende Stoffe identifizieren. Die Durchführung dieser Maßnahmen ist für 2015 beschlossen. Hierbei sollen Substanzen  geprüft werden, die die größten gesundheitsgefährdende  Auswirkungen auf den Menschen und der Umwelt haben, unter Verwendung der RMOA. Die Bewertung der Dossiers soll mit anderen REACh- und CLP-Prozessen abgestimmt sein. Besonderes Augenmerk soll auf hohes Expositionspotential  für die Umwelt und den Anhang IX und X gerichtet werden. Ein „Screening“ für besorgniserregende Stoffe soll mit den vorhandenen Datenbanken, über Substanzevaluierung und Anforderungsprüfung, sowie Risikomanagement durchgeführt werden.
Der Zulassungsablauf ist seit 2013 auf der Website der ECHA, „Substances of potential concern“  ersichtlich. In einer Tabelle sind der aktuelle Stand der Vorarbeiten und die bereits vorhandenen Anträge auf Zulassung ersichtlich. Weitere Unterstützung ist durch umfangreiche Erklärungen zum Zulassungsverfahren  auf der ECHA-Website zu finden. Zusätzlich werden  Seminare und Workshops angeboten, sowie eine Vereinfachung jeglicher Dokumentationen. Geschätzter Aufwand für eine Stoff-Zulassung beläuft sich auf  9-Mann-Monate und 120.000,-€ aller sonstigen Kosten. Die nächste Zulassungskonferenz findet im Februar 2015 in Helsinki statt.
Zur Unterstützung von KMU’s bietet die ECHA auf ihrer Website an:

  • SDS e-Guide

  • eine Darstellung des CLP-Prozesses zur Klassifizierung von Gemischen

  • demnächst eine Information für „Neulinge“

  • ein Newsletter, „ECHA e-news“.

Für die Registrierungfrist2018 erwartet die ECHA einen höheren Anteil an Anmeldungen durch  KMU’s  und damit die Bildung von mehreren kleinen SIEF’s (Substance Information Exchange Forum). Die ECHA geht auf die Registrierenden zu und bietet gezielte Hilfe an. Für jeden Schritt soll ein eigenes Informationspaket zur Verfügung stehen. Zudem soll ein  IT-Tool bis 2016 bereitgestellt werden.
Für die OECD sprach Bob Diderich. Die OECD und deren Mitgliedstaaten hatten 1981 entschieden wechselseitig Daten und Test  nach OECD-Richtlinien auszutauschen, um doppelte Tests und damit Kosten zu vermeiden. Ca. 150 Test-Guidelines sind in der Zeit erstanden.
Neue Erfahrungen gibt es auf dem Gebiet  hormonelle Veränderungen beim Menschen durch chemische Substanzen.  Es ist ein  Leitfaden für standardisierte Tests zur Evaluation chemischer Substanzen für die hormonelle Beeinflussung entstanden. In einer Entscheidung 2013 zum Umgang mit  Nanomaterialien wird die Übernahme von Chemikaliendaten  und das Hinzufügen von Spezifikationen zugestanden.
Eine Toolbox als Freeware gestattet die Aussage über Eigenschaften von Chemikalien und deren Abschätzung bei fehlenden experimentellen Werten und Trendanalysen. Eine zweite Toolbox steht für die Substitution von Substanzen und für  andere alternative Angaben zur Verfügung.

Alexander Nies stellt die Herausforderungen für das Umweltbundesministerium dar. Hauptfeststellung: „ REACh hat sich bewährt.“  Die Vorregistrierung und die beiden Registrierungen 2010 und 2013  sind zur Zufriedenheit durchgeführt worden. Testvorschläge sind eingebracht und Dossier- und Stoffbewertungen wurden bearbeitet.
Dennoch müssen die Registrierungsdossiers  und die  zugehörige Datenqualität verbessert werden. 69% der Ersterstellungen entsprechen nicht den Vorgaben. In 80% der Dossiers werden keine  reproduktionstoxilogische Tests angegeben. Hier muss die Industrie entscheidend nachbessern. Vor einer  Registrierung muss die Vollständigkeit der Unterlagen überprüft werden. Für Nanomaterialien sind die notwendigen Anforderungen zu erstellen.
Bisher sind 31 Stoffe im Anhang XIV (Verzeichnis der zulassungspflichtigen Stoffe) aufgeführt.  Durch Beachtung entstehen der Industrie hohe Kosten und großer Zeitaufwand bei der Umsetzung. Als Folge ist eine  Benachteiligung der Unternehmen im Wirtschaftsraum der EU zu sehen.  Zukünftig ist eine Vereinfachung  des Verfahrens geplant und eine bessere Verteilung der Verantwortung von Industrie und Behörden.
Nach den Behörden bezogen auch,  von der REACh-Verordnung betroffene und beratende Unternehmen Stellung. Thomas May, Axalta Coating Sytems (Formulierer)  sieht eine Unsicherheit in Bezug auf Gemische. REACh enthält wenig Aussagen über Stoffe in Gemischen und als Folge werden kaum Sicherheitsdatenblätter von Herstellern und Händlern erstellt. Andererseits werden Bewertungen von gefährlichen Stoffen in Gemischen gefordert auch wenn kein Sicherheitsdatenblatt vorhanden ist. Hier besteht erhöhter Klärungsbedarf wie die Kommunikation in der Lieferkette zu führen ist
Für die Firma Continental berichtet Karin Czech-Sharif-Afschar über die Probleme beim Zulassungsprozess. Obwohl dieser Prozess zur Verminderung von gefährlichen Chemikalien gut geeignet ist, sind bei der Durchführung Schwächen zu kritisieren. Zum einen ist es die späte Information der Zulassungsbehörde was zur Einschränkung der Mitarbeit der beantragenden Stelle führt.   Des Weiteren können Wettbewerbsnachteile für die EU-Industrie entstehen. Der Anhang XIV beinhaltet viele Stoffe die für spezifische Anwendungen nicht relevant sind, da sie nur in sehr kleinen Mengen in den Produkten vorkommen. Als Beispiel wird ein Aufschäummittel für Folien, die im Kfz-Innenraum Verwendung finden, genannt, das sich während des Herstellungsprozesses vollständig auflöst.  Abhilfe könnten die Aufnahme derartiger  Stoffe in den Anhang XVII (Beschränkung) leisten.

Wissenschaftliche Beratung zum REACh-Prozess wird vom Fraunhofer- ITEM geleistet. Die gemachten Erfahrungen stellte Dr. Gustav Könnecker vor. Bei Registrierungen bis 2010 von Stoffen mit einer Tonnage >1000/a war für die Dokumentation kein großer Aufwand notwendig. Für die Dosiererstellung musste jedoch eine hohe Leistung für die Kommunikation innerhalb der Konsortien aufgebracht werden. Durch die Bildung von Konsortien aus mehreren Registranten werden die anteiligen Kosten vertretbarer. Bei der Registrierung 2018 werden viele KMU’s erwartet, die erfahrungsgemäß keine eigenen Expertisen erstellen können, wie die Großindustrie. Dadurch entsteht ein wesentlich höherer Beratungs- und Studienbedarf. Die Dossiererstellung wird
aufwendiger und bei der Neuregistrierung steigt der Kostenaufwand.
Dazu führte RA Hartmut Scheidmann, von der Kanzlei Redeker/Sellner/Dahs, unter dem Titel Daten- und Kostenteilung folgendes aus. Die Daten- und Kostenteilung ist eine Vorgabe von REACh um Doppelstudien zu vermeiden. Dazu leistet  REACh jedoch nur unzureichende Vorgaben. In der Praxis wird dieses Verfahren derzeit nur  mit Einschränkungen angewandt. Konsortien für die Dossiererstellung sind nur für Stoffe von großer wirtschaftlicher Bedeutung  zu empfehlen. Der entstehende Aufwand an Kosten und Zeit erhöhen sich erheblich. Die Kooperation in SIEF (Substance Information Exchange Forum) ist sinnvoll, jedoch wird hier die Hauptarbeit nur von einzelnen Unternehmen geleistet. Was untereinander zu Problemen bei der Daten- und Kostenteilung führen kann.
Um derartigen Problemen vorzubeugen hat die ECHA  einen Leitfaden veröffentlicht.. Zusätzlich bietet die EACH die Nutzung eines Schiedsverfahren an.
Verbesserungen für die Registrierung 2018 sind notwendig. Für die Abwicklung bei  Zusammenschlüssen in Konsortien bedarf es noch genauerer und eindeutigerer Vorgaben durch die ECHA.

Der zweite Tag der Veranstaltung stand unter dem Motto „Verantwortlicher Umgang bei der REACh-Umsetzung“.
Ivonne Anita Müller von der JOBACHEM GmbH, ein Chemikalienhandel,  berichtete über firmeneigene REACh-Aktivitäten. So hat das Unternehmen für ca. 110 Stoffe die Vorregistrierung durchgeführt. Dabei wurde die Firma vom  Fraunhofer -  ITEM unterstützt. Als mittelständisches Unternehmen sieht die Firma einen direkten Vorteil durch eine eigene Registrierung. So ist der Einkauf bei Nicht-EU-Herstellern möglich, die nicht zur Registrierung verpflichtet sind, der Einfluss auf das Dossier bleibt erhalten und die Unabhängigkeit vom Produzenten wird gewahrt. Die Abhängigkeit von einem Berater ist allerdings wesentlich höher als bei Großkonzernen und auch die Kostenanteile sind durch die Eigenarbeit höher. Während die Großkonzerne die Registrierung größtenteils in 2010 vorgenommen haben, sind die Registrierungen der KMU’s in 2013 erfolgt und werden zunehmend in 2018 durchgeführt.
Einen weiteren Vorteil den die  KMU’s gegenüber Großunternehmen noch bis 2018 (Registrierungsfrist) genießen, ist ihre Flexibilität auf  Kundenwünsche direkt einzugehen, gerade bei Produkteinführungen ist diese sehr hilfreich. Nach der Registrierungsfrist 2018 ist die Flexibilität bei Produktneueinführungen nicht mehr gegeben. Um die Flexibilität auch über 2018 zu erhalten bestehen Forderungen von KMU’s an die Politik Übergangsfristen zu schaffen, freie Beraterwahl, Unterstützung beim Zugang von bestehenden Registrierungen und bei der Ermittlung von Kostenanteilen.

Die Situation in ihrer Firma über Informationen von SVHC-Stoffe und deren Substitution in Erzeugnissen mit langen Lieferketten stellt Kathrin Friedrich, Firma Sennheiser, dar. Umfangreiche Vorarbeiten, die Beachtung von Kundenwünschen unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben sind notwendig, um eine stimmige Materialanforderung zu erstellen. Auch wenn die Lieferanten gewillt sind die REACH-Vorgaben zu erfüllen, sind Unzulänglichkeiten nicht auszuschließen. Kleinere Lieferanten sind mit REACH überfordert und kleinere Kunden werden mit den Problemen oftmals allein gelassen. Die vorhandenen Leitfäden sind schwer verständlich. Für die Substitution ist eine genaue Kenntnis über die Stoffe, die in den Anhängen XIV und XVII aufgeführt sind erforderlich. Trotz der vermeintlichen Sicherstellung, dass keine SVHC-Stoffe geordert werden, besteht die Möglichkeit, dass sie in  Zukaufteilen enthalten sind.  Mit einem hohen Aufwand müssen Lieferanten informiert und geschult werden.  Mangelnder Informationsfluss verursacht Stichprobenprüfungen einschließlich Analysetätigkeiten. Hier bestehen die Forderungen nach einheitlichen, effizienten Nachweismethoden um substitutionspflichtige Stoffe zu ermitteln. Ferner sollte

  • ein internationaler HELP Desk zur Verfügung stehen, auch für Nicht-EU-Akteure,
  • ein Haftungsausschluss für nachgeschaltete Anwender bei Vorhandensein von Stoffen gemäß Anhang XIV und XVII gewährleiste sein,
  • eine internationale Abstimmung über Schadstoffe durchgeführt werden,
  • eine „Positivliste“ mit Substitutionsstoffen erstellt werden.

Fazit: Die REACh-Verordnungen im allgemeinen wird  positiv bewertet, die Umsetzung bereitet jedoch Probleme und bedarf einer stärkeren  Unterstützung durch die  zuständigen Behörden.

Die Aufgaben der BAuA, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, im Rahmen der REACh-Prozesse stellt Dr. Aart Rouw vor. Die gesetzlichen Aufgaben sind arbeitnehmerorientiert, d.h. sie betreffen zum großen Teil den Arbeitsschutz. Die Zusammenarbeit mit den BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) und dem UBA (Umweltbundes Amt) bei der Kommentierung von Vorschlägen und Dossiers ist gewährleistet. Es bestehen grundsätzliche Unterschiede bei der Beantragung von SVHC’s (1. Schritt in Richtung Zulassung)  und der Beantragung von Beschränkungen. Im ersten Fall ist die Arbeit für den Mitgliedstaat (MS) relativ einfach wenn eine Einstufung (z.B. CMR - krebserregend, mutationsgefährend, fortpflanzungsgefährdend  vorhanden ist. Aufwendig wird es für den Antragsteller, wenn eine Zulassung ansteht. Im zweiten Fall muss eine ausführliche Begründung des Risikos durch den einreichenden MS erfolgen. Die ECHA prüft in den beiden Ausschüssen RAC (Ausschuss für Risikobewertung) und SEAC (Ausschuss für die sozioökonomische Analyse) und gibt eine Empfehlung an die Kommission die dann über den Eintrag in den Anhang VXII entscheidet. Ein wichtiger Faktor vor der Erstellung eines Dossiers ist die RMOA (Risikomanagementanalyse) und die Einstufung, Beschränkung oder Zulassung. Für ein Beschränkungsdossier sind Beschreibungen über Risiken, Anwendungen und Alternativen notwendig. In den MSCAs (Kompetente Behörde der Mitgliedsstaaten) bindet diese Aufarbeitung viele Ressourcen. Das neue ECHA-Tool  „PACT“ unterstützt die Außenwirkung. Die Industrie muss durch aktuelle und vollständige Registrierungen, relevante und konsistente Daten und Kommunikation in der Lieferkette zu Verbesserungen beitragen. Um das Ziel der Roadmap 2020 zu erreichen ist eine Zusammenarbeit aller Beteiligten notwendig.

Aus der Sicht einer NGO (Nichtregierungsorganisation) betrachtet Dr. Ninja Reineke und Chem Trust, die Zulassungen unter REACh. Durch neue Maßnahmen, RMOA’s und eine neue Expertengruppe für  PBT-Stoffe und ED-Stoffe, sowie Konsultationen in den Mitgliedsstaaten über ökonomische und sozioökologische Aspekte, wird der Zulassungsprozess insgesamt verzögert. Dieses spiegelt sich in einem Moratorium für den Anhang XIV wider. Trotzdem muss das Ziel Innovation und Substitution von Stoffen unter zusätzlicher Beschränkung von Produkten die SVHC-Stoffe erhalten bleiben. Ein wichtiger Faktor ist die Dossierqualität, um aus dieser die Grundlagen für die Prioritätenfestlegung im Anhang XIV und für die RMOA festzulegen. Als Hindernis ist die fehlende Datengrundlage zu betrachten. 137 Substanzen wurden diskutiert nach 3 Jahren aber nur 1PBT identifiziert. Für 84 Substanzen werden intensivere Informationen benötigt. Als weiteres Beispiel wird die EDC-Identifizierung angeführt, wo die MS fordern die bekannten EDC’s auf die Kandidatenliste zu bringen. Die ECHA unterstützt diese Initiative durch die ED-Expertengroup.
Für DEHP, ein Weichmacher für PVC auf Phthalatbasis, sind erste Zulassungsanträge gestellt worden. Die Zulassung wird für bestimmte Anwendungen erteilt, obwohl die Annahmen in den Expositionsdaten zu großen Unsicherheiten führen. Hier sollten alle Gesichtspunkte von RAC und SEAC kritisch geprüft werden. 55 Umweltorganisationen fordern keine Zulassung für DEHP in PVC zu erteilen.

Chrystele Tissier, ECHA, stellt die Roadmap 2020 vor. Hintergrund ist die Forderung, dass bis 2020 alle relevanten SVHC’s  in der Kandidatenliste erfasst sind. Im Jahr 2013 wurden die Roadmap und der Durchführungsplan veröffentlicht.  Aufgenommen sind die Stoffe CMR, PBT, vPvB und weitere mit ähnlicher Gefährlichkeit, wie z.B. ED’s. Aufgabe und Ziel der Roadmap ist das Verständnis zwischen EU-Behörden und Unternehmen herzustellen, die SVHC-Stoffen beachten müssen. Dazu werden ein Screening und die Risikoanalyse vorgeschlagen. Es wird die Vorgehensweise bei der Priorisierung dargestellt und eine Transparenz für die Stakehoulder in der Kommunikation mit Behördenvorgaben sichergestellt. Für die Unternehmen werden Strategieplanung und das Resscourcenmanagement ermöglicht. Das Screening basiert auf SVHC-Eigenschaften, Gebrauch und Verbrauchsinformation und verbessert die Transparenz. Die RMOA ist eine freiwillige Aktion, sie wird nicht von REACh gefordert. Ein neues Tool der ECHA , PACT, informiert über gefährliche Eigenschaften und Optionen des Risikomanagements. Die offene und transparente Kommunikation soll allen Beteiligten helfen. Zum besseren Verständnis für die Stakehoulder wird eine umfangreiche Dokumentation gefordert.
In wieweit  Zulassungsanträge für Firmen eine Option darstellen ist abhängig von der Größe des Unternehmens, bzw. der Unternehmensgruppe erläutert Dr. Karen Schmidt, Firma Lanxess Deutschland GmbH. Bei der global agierenden Firmengruppe Lanxess wird REACh in einer Spezialabteilung bearbeitet. Bisher wurden 400 Dossiers eingereicht und bis 2018 müssen noch weitere 350 erstellt und 200 müssen einem Update unterzogen werden. Die REACh-Kosten bisher belaufen sich auf 50 Mio €.
Für den Zulassungsantrag müssen nachfolgende Punkte bearbeitet werden,

  • Identität des Stoffes
  • Stoffsicherheitsbericht
  • Analyse der Alternativen
  • Eventueller Substitutionsplan
  • Sozioökonomische Analyse

Der Leitfaden der ECHA kann als Grundlage  herangezogen werden. Festzustellen ist jedoch, dass eine Registrierung ein definiertes Risiko gegenüber der Zulassung mit unvorhersehbarer Komplexität darstellt.
Am Beispiel von Chromtrioxyd mit seiner komplexen Lieferkette, Importeur – Formulierer – Verwender, wurde das Zulassungsverfahren dargestellt. In einem zweistufigen Prozess wurde ein Konsortium  von 154 Mitgliedern aus allen Gruppen der Lieferkette gebildet, das zum Ziel hatte einen Zulassungsantrag zu erstellen. Die Einreichung des Antrages war nicht Teil des Konsortialvertrages. Die entstandenen Kosten wurden gemäß Gebührenordnung REACh aufgeteilt. Die Verfahrensdauer  von Mitte 2011 bis zur Eintragung in den Anhang XIV Mitte 2013 zeigt die Komplexität des Verfahrens auf. Die Erkenntnis: eine Abschätzung zwischen Kosten und Nutzen ist zwingend erforderlich. Vor jedem Eintrag in die Kandidatenliste wird eine RMO Analyse durchgeführt.

Die ChemSec, eine weitere Umweltorganisation, sieht REACh mit der Kandidatenliste-,  zusammen mit der SIN-Liste und der CoRAP-Liste  als Anreiz für Innovation und Substitution, lt. Aussagen  von Anne-Sophie Anderson, Direktor des Verbandes.  Firmen- und Kundeninteressen werden gebündelt gesammelt. Einer Umfrage zufolge liegt das Verbraucherinteresse bei  Gesundheitsbelastungen durch Chemikalien über 50%. Als Indiz werden zahlreiche Rückrufe bei Spielzeugengewertet.
Hilfestellung bietet die SIN-List, ein Werkzeug um besonders besorgniserregende Stoffe zu identifizieren, und ein SINimilarity Tool, ein Programm um unnötige Substitutionen zu verhindern. Zusätzlich propagiert die ChemSec ein Chemical Management Guide um Textilfirmen beim Einsatz von Chemikalien zu unterstützen. REACH ist ein Motor für Innovationen und sollte von den Unternehmen genutzt werden, wobei die Behörden die notwendigen Unterstützungen leisten müssen.

Das Risikomanagement im Hause Bayer wird von Dr. Andrea Peatz vorgestellt. Zwei Vorgehensweisen bilden die Grundlage, einmal ein proaktives und zum Zweiten die Reaktion auf Vorgaben. Gesetzliche Vorgaben und freiwillige  Maßnahmen führen zu Risikominderungsmaßnahmen, die im Nachhaltigkeitskonzept der Konzernstrategie festgeschrieben sind. Dass bedeutet für die F&E, Bewertung neuer Stoffe, für die Erstellung entsprechende Betriebsanweisungen, Produktsicherheitsinformationen für den Kunden und Angaben zur richtigen Entsorgung.  Das Vorsorgeprinzip ist eine Balance zwischen Risiko und Chance.
Die Bewertung aller Produkte, speziell für Stoffe >1t/a gehört zur Produktverantwortung. Bis 2020 soll die Bewertung des Gefahrenpotentials in allen Substanzen abgeschlossen sein. Grundsätzlich ist Substitution eine ständige Aufgabe und gehört zur Grundlage der REACh-Verordnungen.
Bei der Substitution muss gewährleistet sein, dass es eine bessere Alternative gibt und es technisch und wirtschaftlich machbar ist. Die Zulassung ist nicht immer die beste Alternative. Es gibt Beschränkungen (Anhang XVII) und Festlegung von Grenzwerten. In allen Fällen ist aber eine RMO Analyse wichtig, um die richtige Lösung zu finden.

Sybille Wursthorn, Regierungspräsidium Tübingen, berichtet über den Vollzug und die Voraussetzungen zum Vollzug der REACh-Vorgaben. Zu unterscheiden sind länderspezifische, länderübergreifende und MS-übergreifende Ansätze. Erstere werden durch gemeinsame Überwachungsaktionen durch Bund/Länder und Arbeitsgemeinschaften koordiniert, im zweiten Fall durch gemeinsame Vollzugsprojekte durch die ECHA. Voraussetzung ist das Schaffen von Wissen und permanente Fort- und Weiterbildung, sowie Erfahrungsaustausch mit anderen Behörden. In Kommunikation mit Unternehmen und Verbänden muss das Wissen weitergegeben werden um für das Thema zu sensibilisieren und auf ein entsprechendes Qualitätsmanagement hinzuweisen. Vollzugsstrukturen müssen zur regelmäßigen Prüfung aufgebaut  und genutzt werden. Damit wird eine Stärkung des Verbraucher-, Umwelt- und Arbeitsschutzes erreicht. Der Vollzug muss konsequent durch übergreifende Überwachungsprojekte, Aktivitäten der Länder und Zusammenarbeit mit dem Zoll sichergestellt werden.
Die Überwachung reicht von Veranlassung chemischer Analysen, über Prüfung von Unterlagen bis zu Betriebsprüfungen unter Nutzung der vorhandenen Instrumente. Die Importe werden in Zusammenarbeit mit dem Zoll überwacht, die Alleinvertreter in Zusammenarbeit mit anderen Behörden. Die gemachten Erfahrungen sind sehr unterschiedlich. Der Kenntnisstand ist in einigen Unternehmen gut, während bei anderen hoher Beratungsbedarf besteht. Verbesserungsbedarf liegt vor allen Dingen in der Kommunikation in der Lieferkette.

Im Schlussreferat zeichnet  Dr. Christoph Schulte, Umweltbundesamt, die Perspektiven bis 2030 auf.
Die REACh-Ziele werden weiter verfolgt, Schutz für Gesundheit und Umwelt, Substitution besonders besorgniserregender Stoffe, harmonisierte Informationsbasis für alle Stoffe durch standardisierte
 Verfahren und Methoden. Hersteller und Importeure halten sich an die Vorgaben. Auch die behördlichen Aufgaben bleiben bestehen. Die Ziele der Roadmap 2020 müssen erfüllt werden. Es gilt die Transparenz und Planungssicherheit zu erhöhen. Priorität muss die Regelung von SVHC-Stoffen mit hohen Umwelteinflüssen und hoher Verbraucherrelevanz eingeräumt werden.
Bis 2030 wird von den Unternehmen mehr Kreativität erwartet um damit zusätzliche Regulierungen zu vermeiden. Nachhaltigkeit soll den Wettbewerb stärken, wobei diese durch unternehmerische Verantwortung wahrgenommen werden soll. Konkret erwarte das UBA, dass alle Stoffe mit qualitativ guten Dossiers registriert sind, die Verfahren für alle transparent und die Information in der Lieferkette funktioniert. Die UBA strebt an, besorgniserregende Stoffe zu identifizieren und zu bewerten, Bewertungskriterien zu harmonisieren und den Vollzug der Vorgaben sicherzustellen. Die Umkehr der Beweislast bleibt erhalten. 2030 haben alle RAECh-Akteure die Verantwortung für die Ziele angenommen. Die Nachhaltigkeit der Chemie soll ein Leitbild für andere Unternehmen und der Politik sein. Die europäische Industrie hat durch die hohen Standards ihre Marktposition ausgebaut.

Informationen über die REACh-Konferenz  sind auf der Website des Umweltbundes Amtes unter
http://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/chemikalien-reach/reach-kongress-2014-start zu finden. Die Folien zu den Vorträgen können unter http://www.umweltbundesamt.de/programm-reach-2014 eingesehen und heruntergeladen werden.

Klaus Dingler
Mitglied im FED-Vorstand
FED-AK-Leiter Umweltgesetzgebung

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