Home Verband Arbeitskreise/Projekte REACh - Risiken von besonders besorgniserregenden Stoffen

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08.12.2017

Film über 25. FED-Konferenz - Networking und Wissensaustausch für die Elektronikbranche
In einem Film hat der FED die Statements der Teilnehmer, Referenten, Aussteller, und Organisatoren der diesjährigen FED-Konferenz eindruc…

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28.11.2017

NORTEC Forum – Elektronikfertigung am 23.01.2018
Am 23.01.2018 findet zum 4. Mal das Nortec Forum – Elektronikfertigung statt. Der FED ist für das Vortragsprogramm an diesem Tag er…

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17.11.2017

Band 17 der Bibliothek des Wissens - FED Projekt: „Übergang Starr-Flexbereich“ Abschlussbericht
Ein Bereich der in den gängigen Designrichtlinien lückenhaft beschrieben ist und damit immer wieder zu „Grauzonen“ in technis…

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Workshop-Reihe „REACh in der Praxis“ Zusammenfassung der beiden letzten Veranstaltungen

Nr. 7 Risiken von besonders besorgniserregenden Stoffen
Nr. 8 Abschlussworkshop der gesamten Reihe

Die gesamte Workshopreihe fand in organisatorischer Zusammenarbeit der Ökopol GmbH und des Öko-Institut e.V. mit dem Veranstalter Umweltbundesamt in den Jahren 2012 und 2013 in Berlin statt.
Nachfolgend ein Kurzbericht der beiden letzten Workshops. Im Workshop 7 am 25. September 2013 werden noch einmal die besonders besorgniserregenden Stoffe und deren Möglichkeiten der Zulassung oder Beschränkung betrachtet. Bedingt durch die Eigenschaften dieser Stoffe können sie einmal in die Umwelt eingebracht nicht mehr zurückgeholt werden. Zudem können sie sich in der Umwelt und in den Organismen anreichern und dort Schäden verursachen. In der Chemikalienverordnung wird dieser Umstand aufgegriffen und durch besondere Risikobewertungen für die Verwendung vorsorglich verboten oder nur beschränkt zugelassen. Beispielhaft werden die PFC-Stoffe (poly- und perfluorierte Chemikalien) betrachtet.

Christoph Schulte vom Umweltbundesamt (UBA) weist zum Eingang seines Vortrags darauf hin, dass für die Verbraucher eine Möglichkeit besteht über das Internet direkt beim Hersteller nach besorgniserregenden Stoffen anzufragen.

Ziel der REACh-Verordnung ist es, generell die SVHC-Stoffe in der Kandidatenliste zu ersetzen, sofern dieses wirtschaftlich und technisch möglich ist. Bis zum Jahre 2020 sollen alle SVHC-Stoffe in der Kandidatenliste aufgenommen sein, wobei darauf zu achten ist, dass nur relevante Stoffe genannt werden, d.h. keine Stoffe die bereits nicht mehr Verwendung finden. Zum Auffinden und separieren der Stoffe werden Risikomanagementmethoden von verschiedenen Institutionen angewandt. Das UBA richtet dabei das Hauptaugenmerk auf PBT-Stoffe und endokrine Substanzen. Zur Auswahl der relevanten SVHC-Stoffe werden nachfolgende Prozeduren durchgeführt:

  • Auswertung von Arbeitsgruppen
  • Bewertung kritischer Stoffgruppen
  • Auswertung weiterer Listen und Publikationen
  • Betrachtung von Struktur-Wirkungsbeziehungen
  • Auswertung von Monitoringdaten

Auch im Vortrag von Olaf Wirth, Ökopol, wird noch einmal klar gestellt, dass das Ziel der Schutz von Mensch und Umwelt ist, gleichzeitig aber auch die Marktchancen und den freien Wettbewerb zu gewährleisten. Als Grundlage gilt es dabei zu beachten, dass alle Beteiligten innerhalb der Lieferkette sicherstellen die Gesundheit des Menschen und die Umwelt nicht zu schädigen. Es gilt das Vorsorgeprinzip als Grundsatz der REACh-Forderungen. Dazu werden Stoffe, Gemische und Erzeugnisse betrachtet und bewertet. Werkzeuge für die Regelung der Vorgaben sind die Zulassung gemäß Annex XIV und die Beschränkung gemäß Annex XVII der REACh-Verordnung. Ziel der Zulassung ist der Ersatz der besonders besorgniserregenden Stoffe. Das Einbringen in den Annex XIV geschieht in mehreren Schritten,

  1. Einbringen des Stoffes in die Kandidatenliste
  2. Priorisierung von besorgniserregenden Stoffen, Stoffe mit PBT- und vPvB-Eigenschaften (persistente, bioakkumulierbare und toxische Stoffe / sehr persistente und sehr bioakkumulierbare Stoffe gemäß Annex XIII der REACh-Verordnung).
  3. Verwendung von großen Mengen
  4. Verwendung mit großer Verbreitung

Der dann folgende Antrag zur Aufnahme in den Anhang XIV hat zur Folge, dass ab einem festgelegten Termin der Stoff nicht mehr verwendet werden darf. Ausnahme bilden nur Anträge von Unternehmen die einer Prüfung unterliegen, ob das Risiko kontrollierbar ist, kein Ersatzstoff zur Verfügung steht und das ein großer sozio-ökonomischer Nutzen nachgewiesen werden kann. Die Zulassung bezieht sich nur auf die Verwendung des Stoffes. Das Inverkehrbringen in importierten Produkten ist nicht mit eingeschlossen.

In Gegensatz dazu zielt die Beschränkung darauf ab, Stoffe zu identifizieren, zu kontrollieren und eventuelle Risiken zu minimieren. Nur die im Anhang XVII aufgeführten Anwendungen sind verboten, alle anderen erlaubt. Dabei werden auch Stoffe gelistet die nicht in der Kandidatenliste zu finden sind. Besonderheit ist, dass die Beschränkung alle Schritte des Produktzyklus enthalten kann, d.h. Herstellung, Verwendung und Inverkehrbringen. Wichtig zu beachten dabei, dass für die Zulassung und auch für die Beschränkung keine Mengenvorgaben gelten, wie bei der Registrierung von Stoffen. Die Entscheidungen über betroffene Stoffe werden in Konsultationen getroffen, aber schlussendlich von der EU-Kommission bestimmt. Mit den Prozessen der Zulassung ( Substitution von SVHC-Stoffen ) und der Beschränkung ( Kontrolle über bestimmte Risiken von Stoffen ) sind in der REACh-Verordnung Möglichkeiten zur Kontrolle von gefährlichen Chemikalien gegeben.

Im 3. Vortrag von Lena Vierke, UBA, wird am Beispiel von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) dargestellt wie das Umweltbundesamt diese Stoffe reguliert. Zu diesen Chemikalien gehören Stoffgruppen mit vielen Einzelverbindungen. Unterschieden wird zwischen fluorierten Kohlenwasserstoffverbindungen und fluorierten polymeren Verbindungen.

Genauer betrachtet werden in dem Vortrag die perfluorierten Carbonsäuren (PFCA – PerfluoralkylCarboxylAcids), zu denen auch die Stoffe Pentadecafluoroktansäure ( PFOA ) und Ammonium-Pentafluoroktanoat ( APFO), Stoffe für die Oberflächenbehandlung zum Abweisen von Wasser, Schmutz und Fett, bei der Verarbeitung zählen. Diese finden auch Anwendung in Elektro- und Elektronikgeräten (z.B. Kabel). Durch die Anwendung dieser Stoffe kommt es zum persistenten Eintrag in die Umwelt und sind damit bereits einigen internationalen Regelungen unterworfen. Als reproreduktionstoxischer Stoff ist er als PBT-Stoff in der Kandidatenliste aufgeführt, andere werden höher als vPvB-Stoffe eingestuft.

Vom UBA wird zurzeit ein Beschränkungsvorschlag erarbeitet. Zu diesem wurden im Vorfeld mehrere Forschungsvorhaben durchgeführt um die Auswirkungen von Produkten in der Umwelt, spezielle Expositionspfade und auch die sozioökonomischen Faktoren zu betrachten. Mit dem Vorhandensein der Stoffe in der SVHC-Kandidatenliste greifen bereits die Regularien der REACh-Verordnung. Der Beschränkungsvorschlag für die Verwendung, Herstellung und Import von PFOA bezieht sich zurzeit nur auf die EU. Zur Vorbereitung des Vorschlages zählt auch die Befragung der Unternehmen in den EU-Mitgliedsstaaten zur Findung von Alternativen und eventuellen Ausnahmen. Eine Zulassung ist noch nicht beantragt.

Obwohl die nachfolgenden Betrachtungen zum Thema Freisetzung von Schadstoffen an die Umwelt und deren Vermeidung sich nicht auf EEG beziehen, geben diese Anregungen zur Substitution, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden.

In einer von der UBA an die Hochschule Fresenius in Auftrag gegebenen Untersuchung sollte am Beispiel von Outdoor-Jacken die Exposition von per- und polyfluorierten Stoffen des Menschen und der Umwelt festgestellt werden.

Unterschieden wird zwischen nicht-polymeren und polymeren per- und polyfluorierten Chemikalien. Der Untersuchungsschwerpunkt lag auf nicht-polymere per- und polyfluorierten (PFAS‘s , per- and polyfluoralkyl substances). Um Outdoorbekleidung gegen Schmutz und Wasser (DWR, Durable Water Resistant ) dauerhaft beständig zu machen, werden diese Verbindungen eingesetzt. Im Forschungsprojekt wurden Jacken verschiedener Hersteller untersucht, wobei es das Ziel war europäischer Produktionen zu untersuchen, die Vielzahl der Jacken aber aus chinesischer und südostasiatischer Produktion stammten. In jeder der Jacken wurden zwischen 0,03µg/cm² und 713µg/cm² PFAS’s nachgewiesen. Neben diesem Gesamtgehalt der Stoffe wurden auch die Freisetzungen an die Luft und in das Wasser gemessen. Bei den alkoholischen Verbindungen kann von einer fast 100%igen Freisetzung an die Luft ausgegangen werden und die Hochrechnungen ergeben für Europa eine Menge von 6 bis 24kg/Jahr. Nicht nachgewiesen sind dabei die Mengen die bereits bei der Lagerung der Ware ausdampfen. Für die Freisetzung ins Wasser ergeben sich nach Schätzung durch die Auswaschung von Vorläuferverbindungen beim Waschvorgang ca. 0,27kg/Jahr für deutsche Gewässer.

Die nachfolgenden Vorträge beinhalteten Kampagnen, bzw. Vorgehensweisen um die Freisetzung der Schadstoffe an die Umwelt zu vermeiden, oder zu mindestens zu verringern.

Von Greenpeace wurde dazu die Kampagne „DETOX“ vorgestellt. Diese Kampagne diente zur Verringerung der Verschmutzung der Gewässer durch verschiedene Schadstoffgruppen, wobei PFC priorisiert wurde. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass durch die Abwässer der Textilindustrie in den asiatischen Staaten die vorhandenen Wasserressourcen stark gefährdet wurden. An die Textilindustrie ergeben sich daraus zwei Forderungen,

  • Vorsorgeprinzip, Verzicht auf schädliche Chemikalien und
  • eine Veröffentlichung der verwendeten Chemikalien und deren Auswirkung auf die Umwelt.

Im Falle von per- und polyfluorierten Chemikalien wurden eine größere Anzahl von Outdoor-Jacken untersucht und als Ergebnis PFOA ( 5µg/m² ) und Fluortelomeralkohole bis zu 464µg/m² in den Jacken gefunden. PFOS wurde nicht nachgewiesen.
Als wesentliche Faktoren zum Ausstieg aus den schädlichen Chemikalien empfehlen sich

  • klar definierte Aussagen der Markenfirmen,
  • eine enge Zusammenarbeit mit den Lieferanten der Ware
  • Zusammenarbeit mit Laboren zur Findung von Substitutionsmaterialien
  • Transparenz und Weitergabe der Informationen.

Unterstützung zum Ausstieg aus der Verwendung von per- und polyfluorierten Chemikalien leistet auch der Berufsverband der Deutschen Sportartikel-industrie (BSI) für seine Mitgliedsunternehmen.
Ziel der Fachgruppe Outdoor ist es die per- und polyfluorierten Chemikalien aus den Produkten zu entfernen. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die REACH-Forderungen nicht für Importe gelten. Hier besteht dringender Änderungsbedarf. Eine frühzeitige Information der Händler und Importeure ist notwendig, um Zeit zur Findung von Substitutionsstoffen zu haben. Erklärtes Ziel ist es, aus den PFC-Materialien auszusteigen. Jedoch sind noch wesentliche Untersuchungen für Substitutionsmaterialien erforderlich.

Dazu zeigt die Firma Jack Wolfskin Schritte auf, die in dem Unternehmen zum Ausstieg bisher unternommen worden und bis 2020 weiterhin in Planung sind. Die Verwendung von PFOA als Einzelsubstanz und PFOS ist seit einiger Zeit nicht mehr gegeben. Der Ausstieg aus der Fluor-Chemie ist bis 2020 geplant. Verbote und strikte Regelungen sind probate Mittel um zu einem Erfolg zu kommen, sie dürfen jedoch nicht zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Zwei Arbeitsgruppen am Nachmittag diskutierten das Thema Substitution, bzw. Reduktion der PFC’s.

Fazit: Der Ausstieg durch Verwendung von alternativen Substanzen ist für Outdoor-Bekleidung denkbar, braucht jedoch noch viel Zeit, ist aber für andere Bereiche, so auch bei den EEG,. sehr viel schwieriger.

Der Abschlussworkshop 8 der Seminarreihe am 12. November 2013 gab einen Rückblick über die Erfahrungen der Umsetzung der REACh-Verordnungen in den vergangenen Jahren und einen Ausblick in die Zukunft.
Zur Einführung in den Veranstaltungstag stellt Lars Tietjen vom Umwelt Bundesamt die geplanten und gewollten Ziele vor. Die Gesundheit und die Umwelt sollte geschützt, die Unternehmen mehr in die Verantwortung genommen und ein freier Warenverkehr gewährleistet werden. Für die Unternehmen entstanden damit Pflichten zur Erstellung von Sicherheitsdaten-Blättern (SDB), bzw. Einreichnung von Dossiers bei der ECHA für neue Produkte ( techn. Dossier für Mengen >/=1 t/a, einen Stoffsicherheitsbericht CSR (Chemical Safty Report) für Mengen>/= 10t/a, bzw. spezielle Expositionsszenarien für Mengen >/= 10t/a). Die Aufgabe der Behörden bestand in der Unterstützung der Antragsteller und Anwender, der Aufnahme der Registrierungen und die damit verbundenen Dossier-Bewertungen. Stoffbewertungen und die Entscheidung über Zulassungsanträge gehörten ebenfalls dazu. Diverse Berichte zum Stand der Umsetzung sind von der ECHA und der Europäischen Kommission in den Jahren erstellt worden. Es hat sich gezeigt, dass trotz einiger Anpassungsschwierigkeiten REACh sehr gut funktioniert und damit keine Änderungen in den REACh-Vorgaben geändert werden müssen. Handlungsbedarf sieht die Kommission in

  • mehr Unterstützung der KMU‘s,
  • Intensivierung der Ermittlung von SVHC’s (SVHC-Roadmap)
  • Optimierung in der Information innerhalb der Lieferkette
  • Vorlage eines Entwurfes ( geplant Mai 2014) zur Behandlung der Nanomaterialien
  • in der Registrierung von spezifischen Polymeren im Jahre 2015.

Als Ergebnis stellt der EU-Umweltrat fest, dass die meisten Mitgliedstatten den Vorgaben zustimmen und die Kommission unterstützt werden. Bis zum Jahre 2020 sollen alle relevanten besorgniserregenden Stoffe in der SVHC-Kandidatenliste aufgenommen sein. Die Qualität der Dossiers muss verbessert werden, um die vielen Beanstandungen zu vermeiden.
Nanomaterialien sind chemische Stoffe und sollen generell von der REACh erfasst werden. Es fehlen jedoch zurzeit dazu definierte Vorgaben wie die Registrierung behandelt werden soll. Ein Konzept der Bundesbehörden besteht (Broschüre des UBA, BfR und BAUA). Der Zeitplan sieht vor, dass im Mai 2014 ein Vorschlag an den Regelungsausschuss zur Abstimmung übergeben werden soll. In weiteren Überprüfungen in den Jahren 2014 bis 2019 sollen die Datenanforderungen 1-10 t/a betrachtet und eine Registrierungspflicht für Polymere diskutiert werden.

Nachfolgend berichten Firmen und Institutionen über Erfahrungen der vergangenen Jahre bei der Einführung und Durchführung der REACh-Verordnung.

  1. Firma Lehmann&Voss&Co. KG ist ein Importeur im REACh-Sinne und gleichfalls ein Downstream- User. Als Herausforderung für KMU’s wird die Schaffung eines Aufbaues einer „REACh-Organisation“ mit dem zugehörigen Know How gesehen, Schaffung von Ressourcen und Funktionsstellen und Anschaffung neuer passender Softwaresysteme. Erhebliche Kosten und Budget müssen im Vornherein geplant werden. Die gemachten Erfahrungen haben gezeigt, dass die SIEF-Gruppen keinen erkennbaren Nutzen bringen. Kosten und Gebühren sind bei Nischenprodukten sehr hoch, teilweise müssen noch Berater hinzugezogen werden. IT-Systeme (IUCLID 5) sind in den KMU’s kaum nutzbar, sehr kostenintensiv und bedürfen einer schwierigen Einführung. Die Zulassungskosten sind sehr hoch und für KMU’s kaum tragbar.
  2. Firma Bayer. Für große Firmen stellt die Erstellung der Dossiers für die vielen Produkte ein Kraftakt dar, nach der Registrierung besteht jedoch Rechtssicherheit. Probleme bestehen jedoch immer noch in der Informationskette, der Aktualisierung der Dossiers und durch weitere Überprüfungen der Stoffe und der Einbindung von Nanomaterialien. Die Bewertung der Dossiers und der Stoffe ist nicht immer zufriedenstellend. Frühzeitiger und regelmäßiger Austausch zwischen Behörden und Industrie wäre zu begrüßen. Auf Grund der REACh-Anforderungen und den Vorgaben und Zielen in den nächsten Jahren besteht ein Risiko in den Firmen und ein sorgfältiges Abwägen ist erforderlich. Ausnahmen von einer Zulassung sind kaum möglich, Überprüfung der Zulassung nach festgelegten Zeiträumen oder bei neuen Erkenntnissen.
  3. Der Gesamtablauf vom Einkauf bis zum Verkauf wird bei der Husqvarna Group (dazu gehört Gardena) von einem REACh-Organisator überwacht. Die vom Einkauf angefragten und beantworteten REACh-Informationen werden in den Folgeabteilungen ausgewertet und bei bedarf in eine Datenbank übernommen. In jedem Schritt wird der REACh-Organisator informiert und damit eine sichere Kommunikation zwischen den Bereichen gewährleistet. An Hand der aufgelisteten Daten kann eine Entscheidung über die in den Produkten vorhandenen SVHC-Stoffe getroffen werden. Entweder wird über eine Substitution entschieden, oder die Information über vorhandene Kandidatenstoffe wird an die Kunden direkt gegeben, bzw. über die Homepage der Firma veröffentlicht. Zum Aufgabengebiet des REACh-Kordinators gehört ebenfalls
  • Unterstützung der Kommunikation mit Lieferanten und Kunden
  • Information über chemische Stoffe und die Gesetzgebung
  • Hilfe bei Konzepten und technischen Lösungen

Zurzeit müssen ca. 2000 Artikel der Marke Gardena gepflegt werden. Dazu müssen die konzernweit vielen Zulieferanten permanent abgefragt werden. Klarheit der Definitionen in der Verordnung ist dafür Voraussetzung. Weltweit werden immer mehr Restriktionen für die Verwendung von besorgniserregenden chemikalischen Stoffen in diversen Verordnungen (z.B. REACh, RoHS, WEEE, CLP, usw.) festgeschrieben.

  1. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stellt fest, dass mit der Erteilung der Registriernummer die Aktivitäten nicht beendet sind. Neue Erkenntnisse und Veränderungen erfordern permanente Bearbeitung. Jede Bewertung nach REACh-Vorgaben eines eingereichten Dossiers bedeutet für die ECHA einen Report über den Ausgang an die Kommission und die Mitgliedstaaten. Maßgebend zur erfolgreichen Einreichung ist die Qualität des Dossiers, wobei die Verantwortung bei der Industrie liegt. Für KMU’s ist die Verwendung von speziellen EDV-Systemen (IUCLID) eine große Herausforderung. Bei der SIEF-Bildung ist zu beachten, dass die Stoffidentitäten übereinstimmen und ein gemeinsamer Datensatz erstellt werden kann. Dossiers werden teilweise unter hohem Zeitdruck erstellt und bedürfen dann der Nacharbeit. Nicht ausreichende Information führt zu einem Statement of Non-compliance (SONC).

Die Bewertung der Dossiers durch die ECHA ist sehr Aufwändig – Kommunikation mit dem Einreicher, Erstellung eines Draft der Entscheidung und die finale Ausführung. Eine Verbesserung der Situation könnte durch Entzug, bzw. Nichterteilung der Registriernummer (bisher nur von der Bezahlung abhängig), aber auch durch Eigeninitiative des Einreichers (Qualitätscheck) erreicht werden. Die Industrie muss die Verantwortung für die Erstellung der Dossiers übernehmen und auch nach der Einreichung an die ECHA an ihrer Aktualität weiter arbeiten.

  1. Aus Sicht des Umwelt Bundesamtes nimmt die Bewertungsstelle zur Umsetzung der REACh wie folgt Stellung. Die notwendigen Prozesse für die Bewertungen sind vorhanden und können für die weiteren Registrierungsfristen benutzt werden. Obwohl die Bewertungszeiträume sehr kurz sind ist der gesamte Prozess sehr langwierig. Die Aktualisierungen der Registrierungsdossiers sind nur in bestimmten Grenzen möglich. Bei den Identifizierungen zu besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHC-Kandidatenliste und Anhang XIV) stehen zur Zeit 151 Stoffe auf der Liste und 22 Stoffe im Anhang XIV. Die Vorschläge kamen bisher aus 13 der insgesamt 31 Mitgliedsstaaten, 21 aus Deutschland. Für umweltrelevante Stoffe liegen zurzeit noch keine Zulassungsanträge vor. Für die Beschränkungen (Anhang XVII) besteht ein regulatorisches Instrument, ist aber ein sehr aufwendiger Prozess. Deutschland favorisiert ein Schnellverfahren für PAK (polyzyklische aromatisierte Kohlenwasserstoffe) in Verbraucherprodukten. Für 2014 bereitet Deutschland mit Norwegen eine Beschränkung der PFOA ( Pentadecafluoroktansäure) vor. REACh funktioniert, aber alle Beteiligten müssen sich aktiver und mit mehr Verständnis beteiligen.

 

Herr Rouss von der ECHA informiert über Zulassungen und die SVHC-Roadmap. Zweck der Zulassung nach Art.55 ist die Verminderung oder Vermeidung von Risiken der SVHC-Stoffe. Ein teilweiser Ersatz sollte angestrebt werden ohne die Wirkung auf den Markt zu verhindern. Da das Finden von Ersatzstoffen langwierig ist, sollte der Stoff nicht sofort verboten werden, sondern durch entsprechende Maßnahmen, Zulassung, geregelt eingesetzt werden. Die Anträge (Dossier erstellen) zum SVHC-Prozess sollten pro Jahr begrenzt sein, um für die Bewertung und eventuelle Hilfestellung für den Antragsteller ausreichend Zeit zu haben.

CMR-, PBT- und vPvB-Stoffe können in den Anhang XIV übernommen werden. Ebenfalls Stoffe die durch Einzelermittlung auch die gleichen Auswirkungen haben können. Stoffe mit endokrinen Eigenschaften, Stoffe die sich in der Umwelt zu bereits ermitteltem SVHC-Stoffen abbauen und Inhalationsallergene sind bereits in diesem Zusammenhang ermittelt worden. Mit Priorität werden PBT- und vPvB-Stoffe jährlich betrachtet. Bei der Entscheidung zur Aufnahme in die Zulassungsliste (Annex XIV) werden der Termin für den Zulassungsantrag, der Ablauftermin und die Überprüfungszeiträume veröffentlicht.

Ziel des Zulassungsantrages ist die eingeschränkte Weiterverwendung des Stoffes. Vor Genehmigung wird der Antrag von den beiden wissenschaftlichen Gremien (RAC-Ausschuss für Risikobeurteilung und SEAC-Ausschuss für sozioökonomische Analyse) begutachtet. Nach einer Risikobewertung, der Möglichkeit Alternativen zu verwenden und der Abschätzung der sozioökonomischen Faktoren wird die Zulassung des Stoffes gewährt oder abgelehnt.

Die Registrierungen sind die Hauptinformationsquelle für die Behörden und für die ECHA. Aus diesem Grunde sollten die Informationen zur Registrierung so aktuell wie möglich ausgeführt wie werden. Eine Information innerhalb der Lieferkette ist entscheidend, um den Sicherheitsstoffbericht (SSB) zu erstellen. Relevante Kommentare von den beteiligten Interessenvertretern sollten die Vorgaben der REACh-Verordnung erfüllen um eine reibungslose Konsultation zu gewährleisten. Zur Verbesserung der Datenqualität soll die „CSR/ES-Roadmap (Chemical Safty Report) beitragen. Zwei Elemente sind speziell zu beachten, Expositionsszenarien im Stoffsicherheitsbericht und im Anhang zum Sicherheitsdatenblatt (SDB). Es wurde wiederum auf eine gute Kommunikation innerhalb der Lieferkette hingewiesen.
Vorgabe in der SVHC-Roadmap 2020 ist die Aufnahme aller derzeit relevanten SVHC-Stoffe bis 2020.

Innerhalb der Mitgliedsstaaten, der Kommission und der ECHA besteht Einigung für eine gemeinsame Roadmap und die Zusammenarbeit und Aufteilung der Arbeit. Um den Umsetzungsplan zu gewährleisten sind die wichtigsten Aufgaben, Identifizierung der SVHC-Stoffe, Analyse des Risikos, Fortschrittsermittlung und Kommunikation zwischen den Gruppen. Vorteile durch die Roadmap sind gegeben für die Behörden, die Industrie (Vorabinformationen) und für die NGO’s und Handelsunternehmen (Vorbereitung auf Konsultationen).

Aus Sicht des Umwelt Bundesamtes werden bis 2018 deutlich mehr Registrierungen gemeldet werden, darunter viele neue Registranten, insbesondere auch KMU’s. Die Dossiers verzeichnen eine hohe Qualität und damit sind viele Eingaben erfolgreich. Bei den bestehenden Registrierungen bleibt die Verpflichtung zur Aktualisierung bestehen. Ziel der ECHA ist es mindestens 5% der eingereichten Dossiers zu prüfen – eine sehr zeit- und ressourcenintensive Aufgabe-, um aber damit die Qualität zu erhöhen.

Ein weiteres Hilfsmittel ist die CSR-Roadmap und die SVHC-Roadmap, die universell, wissenschaftlich und transparent aus UBA-Sicht sein soll. Die CSR-Roadmap soll den CSR (Chemical Safty Report) und das Sicherheitsdatenblatt weiter verbessern. Indikator für die SVHC-Roadmap sollte die Anzahl Analysen der Risikomanagementoptionen (RMO) sein. Deutschland strebt eine maximale Transparenz für alle Stakeholder an und zukünftig eine frühzeitigere Beteiligung.

Als zukünftige Aufgaben sieht das UBA die Stoffbewertung in Bezug auf Risiken und weitere Arbeiten zu den Stoffgruppen PFC’s und PAK. Die Anforderungen durch die REACh-Vorgaben bleiben hoch, durch die 3.Registrierungsfrist wird weiterer Informationsaustausch notwendig. Aus diesem Grunde sollte die Workshop-Reihe auch in den nächsten Jahren fortgesetzt werden.

1 Link zu der Vortragsfolien und der Dokumentation der gesamten Vortragsreihe
http://www.reach-konferenz.de/index.htm

Klaus Dingler
AK-Leiter Umweltgesetzgebung
Mitglied im FED-Vorstand

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