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08.12.2017

Film über 25. FED-Konferenz - Networking und Wissensaustausch für die Elektronikbranche
In einem Film hat der FED die Statements der Teilnehmer, Referenten, Aussteller, und Organisatoren der diesjährigen FED-Konferenz eindruc…

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28.11.2017

NORTEC Forum – Elektronikfertigung am 23.01.2018
Am 23.01.2018 findet zum 4. Mal das Nortec Forum – Elektronikfertigung statt. Der FED ist für das Vortragsprogramm an diesem Tag er…

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17.11.2017

Band 17 der Bibliothek des Wissens - FED Projekt: „Übergang Starr-Flexbereich“ Abschlussbericht
Ein Bereich der in den gängigen Designrichtlinien lückenhaft beschrieben ist und damit immer wieder zu „Grauzonen“ in technis…

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Bericht des Arbeitskreistreffens "Umweltgesetzgebung" vom 30.08.2011

1. FED-Arbeitskreistreffen „Umweltgesetzgebung am 30.08.2011 in Berlin

Der aus dem AK-REACh hervorgegangene und neu formierte Arbeitskreis Umweltgesetzgebung hat sich zur Aufgabe gestellt, neben der Eigeninformation, Wissen zu der Vielzahl nationaler und europäischer Umweltgesetzgebungen zusammenzutragen und Interessierten zur Verfügung zu stellen.
Zahlreiche Teilnehmer waren der Einladung des FED gefolgt, so dass neben den „alten“ AK-Mitgliedern auch neue Teilnehmer in der Backfabrik, beim Gastgeber, der Firma alpha-board gmbh, begrüßt werden konnten.

Drei Referenten gaben den Anwesenden einen Überblick über die derzeit geltenden EU-Richtlinien mit ihren neuesten Anforderungen an die Elektronikindustrie.

1. Fachvortrag: Änderungen der RoHS-Richtlinie (Björn Bischoff, Umweltbundesamt (UBA) )

Im ersten Vortrag referiert Björn Bischoff vom Umwelt Bundes Amt ( UBA ) über Änderungen der RoHS-Richtlinie. Das UBA ist die größte wissenschaftliche Umweltschutzbehörde Deutschlands. Das Fachgebiet III, dem Herr Bischoff angehört befasst sich mit Produktverantwortung und dem ElektroG, sowie der nationalen Umsetzung der RoHS und der WEEE Richtlinie.

Die bisherige RoHS-Richtlinie 2002/95/EG aus dem Jahre 2003 wurde im ElektroG in nationales Recht umgesetzt und hier regelt der §5 die Stoffbeschränkungen. Die Neuauflage der RoHS Richtlinie 2011/65/EU vom 08.Juni 2011 ist im Juli in Kraft getreten und wird nach der Umsetzungsfrist von 18 Monaten, d.h. 2013, bindend. Die Umsetzung in nationales Recht ist sehr eng an den Richtlinientext gebunden, da es sich um eine Harmonisierungsrichtlinie handelt. Nach der derzeitigen Planung wird es eine separate Verordnung geben.
Wichtige Änderungen der RoHS:

  • Im Artikel 3 ( Begriffsbestimmungen ) sind jetzt eindeutige Definitionen zu Elektro- und Elektronikgeräte (auch für ortsfeste und industrielle Großanlagen) sowie eine Definition über die Akteure der Lieferkette, also Hersteller, Bevollmächtigter, Importeur, Vertreiber, enthalten.
  • Die Kategorien 8 und 9 wurden verändert und die enthaltenen Produkte werden mit einer Auslaufzeit befristet. Bei den medizinischen Gräten beträgt die Übergangsfrist 3 Jahre bzw. 5 Jahre für In-vitro-Diagnostika. Für die Überwachungs- und Kontrollinstrumente 3 bzw. 6 Jahre.
  • Die Kategorie 11 ist neu und beinhaltet alle Elektro- und Elektronikgeräte, die nicht in den anderen Kategorien aufgeführt werden. Hier ist eine Übergangsfrist von 8 Jahren zu beachten.
  • War bisher die Kommission für die Überarbeitung und neuer Festlegung von Befristungen zuständig, so müssen jetzt die Änderungen für die Befristung vom Hersteller selbst beantragt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Antrag 18 Monate vor Ablauf der Ausnahmefrist gestellt wird, um die Entscheidungszeiten der Kommission und der nachfolgenden Übergangsfristen zu gewährleisten.
  • Eine feste Grenze für die Befristungen bestehender Ausnahmen ist nicht mehr gegeben. Sie kann je nach Produkt und Kategorie zwischen 5 und 7 Jahre liegen.
  • Die im Anhang IV aufgeführten Ausnahmen gelten auch für die Kategorien 8 und 9.
  • Die Bewertung der Stoffe soll vergleichbar und transparent behandelt werden. Die Mitgliedsstaaten haben die Möglichkeit neue Stoffbeschränkungen zu beantragen. Vier Stoffe: HBCDD, DEHP, BBP und DBP ( Flammhemmer und Weichmacher) sollen mit einer hohen Priorität bewertet werden.

Neue Verpflichtungen entstehen für Hersteller, Bevollmächtige, Importeure und Vertreiber durch die neu geregelte CE-Kennzeichnung der Produkte.

  • Der Hersteller trägt die Verantwortung für richtlinienkonforme Geräte, wofür eine interne Fertigungskontrolle notwendig wird. Zudem muss eine Konformitätserklärung erstellt werden. Die Unterlagen zu beiden Vorgängen müssen 10 Jahre aufbewahrt werden. Des Weiteren müssen die Produkte mit Typen-, Chargen- und Seriennummer, sowie mit der Kontaktanschrift des Herstellers versehen sein.
  • Ein eingesetzter Bevollmächtigter ist ebenfalls verpflichtet die Unterlagen 10 Jahre bereithalten und hat die Bereitstellungspflicht gegenüber Behörden.
  • Ein Importeur darf nur konforme Geräte in den Markt bringen. Auch hier muss ein Konformitätsverfahren durchgeführt werden  und die Unterlagen unterliegen ebenfalls der 10 jährigen Aufbewahrungsfrist. Eine entsprechende Kennzeichnung mit Handelsname und Kontaktanschrift ist vorzunehmen.
  • Der Vertreiber muss die Anforderungen der RoHS kennen und bei der Bereitstellung berücksichtigen.

Die Konformitätserklärung und die CE Kennzeichnung ist im Artikel 13 geregelt.

Für die WEEE läuft der Recast-Prozess seit dem Jahre 2008. Die 1. Lesung der Novellierung fand im Februar 2011 statt, es fand eine Einigung des Rates statt. Nach einem Zusammenkommen von Kommission, Rat und EP (Europäisches Parlament) wird mit der 2. Lesung im 2. Halbjahr 2011 gerechnet. Noch sind die Standpunkte des EP und des Rates unterschiedlich. Ein wichtiger Punkt ist die Registrierung, die vom Parlament nur einmal für den EU-Bereich empfohlen wird, wo hingegen der Rat die Registrierung in allen Ländern, in dem das Produkt auf den Markt gebracht werden soll, vorschlägt. Auch bei der Rücknahme und bei den Niederlassungspflichten bestehen noch unterschiedliche Meinungen. Neu sind auch die Mindestanforderungen bei der Verbringung von gebrauchten Elektro- und Elektronikgeräten.

2. Fachvortrag: Kommunikation von Stoffdateninformationen in der Elektronik-Wertschöpfungskette (Torger, Trenner, Fa. Weidmüller)

Über die notwendige Kommunikation von Stoffdateninformationen in der Elektronik-Wertschöpfungskette berichtet Torger Trenner, Firma Weidmüller, im 2. Vortrag.
Durch die Gesetzgebungen und EU-Richtlinien, Anforderungen von Kundenseite und aus der Industrie, den Forderungen von Umweltorganisationen und vieles mehr ist der Stoffdatenaustausch eine unabdingbare Notwendigkeit geworden. Um dieses über alle Branchen mit ihrer Vernetzung untereinander zu verwirklichen ist ein einheitliches Datenformat für eine Stoffliste notwendig. Zurzeit bietet der BOM-Check für die Erfassung der Informationen gemäß der REACh-Verordnung die besten Möglichkeiten. Eine mögliche Anlehnung an die IMDS-Datenbank (International Material Data System) der Automotiv-Industrie mit den beinhalteten Umbrella-Spec’s hätte den Vorteil, dass nicht alle Bauteile einzeln in die Datenbanken aufgenommen werden müssen.
Die Bom-Check-Datenbank wird durch die Mitglieder der BOM-Check-Initiative gefüllt und ständig erweitert, d.h. je mehr Mitglieder sie nutzen desto größer wird der Datenpool.
Die Supply Chain-Komplexität wächst ständig und in der Lieferkette steigen die unterschiedlichsten Stoffangaben an. Um diese Arbeit zu beherrschen ist ein großer personeller und finanzieller Aufwand notwendig. Hinzu kommt, dass in den zuständigen Bereichen der Firmen die Ressourcen über notwendige chemischen Kenntnisse nicht bzw. nicht mehr vorhanden sind und damit das notwendige Verständnis für die Sachlage nur sehr gering ist.

Hinzu kommt, dass die Kandidatenliste der SVHC-Stoffe (besonders Besorgnis erregende Stoffe) einer ständigen Änderung bzw. Ergänzung unterliegt. Damit wird die Kommunikationssituation immer komplexer und aufwendiger. Es besteht keine Lieferkette mehr sondern vielmehr ein Netz von Informationswegen.
Operative Schwierigkeiten entstehen da, wo die Forderungen zwischen Richtlinie und der praktischen Umsetzung auseinander gehen. Die REACh-Richtlinie fordert gemäß Artikel 33 eine Informationspflicht an die nachgeschalteten Anwender. In der Praxis werden aber die erforderlichen Information von den Abnehmern, also in umgekehrter Reihenfolge angefordert. Dieses bedeutet erhöhten Aufwand und erzeugt häufig auch Unmut. Eine schriftliche Erklärung des Lieferanten garantiert noch keine REACh-Konformität. Die lt. REACh geforderten Stoffangaben sind erforderlich. Das gilt auch für Erzeugnisse aus dem nicht EWR (Europäischer Wirtschaftsraum). Auch hier müssen die Angaben über die SVHC zur Verfügung gestellt werden.
Häufig sind die Firmen gezwungen mit hohem Kostenaufwand eigene Analysen dieser Erzeugnisse zu erstellen. Ein Plausibilitätscheck  unterstützt dabei Entscheidungen.
Gemäß dem Artikel 7 und dem Artikel 33 sind unterschiedliche Meldepflichten zu beachten.

Vortragsfolie-10-Trenner-Weidmueller

Quelle: Vortragsfolie 10, Trenner, Fa. Weidmüller

Der Begriff des Erzeugnisses ist zwar klar definiert, aber über die Bezugsgröße bestehen unter den Mitgliedsstaaten unterschiedliche Auffassungen. Der jetzige Ansatz sagt aus, die Bezugsgröße ist das Erzeugnis, so wie es in den Verkehr gebracht wird. Der Ansatz 1O5A ( Once an article – always an article ), bezieht sich jedoch auf das zuerst erzeugte Teilerzeugnis um die Bezugsgröße festzulegen. Damit kann nur der „erste“ Hersteller über die SVHC eine Aussage machen und muss seiner Informationspflicht genügen. Somit müsste auch die REACh-Richtlinie außerhalb der EWR Gültigkeit haben, was auch hier eine einheitliche Dateninformation zur Folge hätte.
Um den Informationsfluss innerhalb der Lieferkette nicht unnötig zu erschweren, muss eine Harmonisierung der Deklarationsanforderungen stattfinden. Hierzu sind die Rohmaterialhersteller und die Prozessindustrie mit einzubinden. Nur wenn alle am Netzwerk beteiligten Disziplinen zusammenarbeiten ist ein sinnvoller Datenaustausch zu erreichen. Der Status Quo ist, dass zur Zeit die Firmen die Daten manuell in das vorhandenen ERP-System einpflegen. In Zukunft soll / muss das Einpflegen von Daten aus bereits vorhandenen Datenbanken, wie BOM-Check, IMDS, die IEC 62474, sowie die IPC-1752A erleichtert werden. Dabei sollte das Austauschformat gleich sein, was sich derzeit noch als schwierig erweist.

3. Fachvortrag: Anforderungen zum Ökodesign gemäß den Verordnungen der ErP (Karsten Schischke, IZM Fraunhofer Berlin)

Im dritten Vortrag referiert Karsten Schischke, IZM Fraunhofer Berlin, Anforderungen zum Ökodesign gemäß den Verordnungen der ErP.

Die alte EuP-Richtlinie 2005/32/EC zur Schaffung eines Rahmens über die Festlegung von Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung von energiebetriebenen Produkten ist im Jahre 2009 mit der ErP-Richtlinie 2009/125/EC in die Gestaltung von energieverbrauchsrelevanten Produkten geändert worden. Damit werden die bisher betroffenen Produkte aus Haushalt und Büro und dem industriellen Umfeld mit den Produkten aus der Gebäudetechnik (Fenster, Isolierungen, Armaturen) ergänzt. Die Elektrolastigkeit ist damit gemindert worden.
Der Werdegang einer Verordnung für eine Produktgruppe erstreckt sich von Vorstudien, dem Konsultationsforum, einem Draft, der Zustimmung durch die Kommission bis zur Veröffentlichung über mehrere Monate, eventuell auch Jahre. Ein aktueller Stand der Entwicklungen der Produktgruppen wurde auf einer Vortragsfolie dargelegt.

Vortragsfolie7-Schischke-IZM-Fhg

Quelle: Vortragsfolie 7, Schischke, IZM-Fhg

Status Quo:

  • Die zweite Stufe der Verordnung 278/2009, Externe Netzgeräte, ist im April 2011 in Kraft getreten. Entscheidende Änderung: die Leistungsaufnahme bei Null-Last muss weiter verringert und die durchschnittliche Effektivität im Betrieb erhöht werden.
  • Auch für die Verordnung 1275/2008, Anforderungen an den Stromverbrauch elektrischer und elektronischer Geräte im Haushalts– und Bürobereich die sich im Bereitschafts- und im Aus-Zustand befinden, gelten ab Januar 2012 die Werte der zweiten Stufe. 0,5W im Off-Mode und im Stand-By-Mode ( wenn nur Wiedereinschaltungsfunktion) und 1W wenn über Display eine Information über den Zustand angezeigt wird. Um Fehlinterpretationen zu vermeiden hat die Kommission im Jahre 2009 einen entsprechenden Guide mit Frage und Antwort zum Geltungsbereich veröffentlicht.
  • Zum „Netzwerk-Standby“ fand das Stakeholder-Meeting im Februar 2011 seinen Abschluss. Der Abschlussbericht wurde im Juni und das Arbeitspapier im August veröffentlicht. Ein Konsultationsforum soll im September stattfinden. Hier soll der Geltungsbereich für Standby bei Heim- und Bürogeräte festgelegt und die Anforderungen an ein Power-Management konkretisiert werden. Die auftretende Problematik besteht darin, dass viele Netzwerke ein Power-Management und eine Wiedereinschaltinformation nicht unterstützen. Ein aktives Power-Management kann jedoch den Stromverbrauch wesentlich verringern. Beim kontrollierten Herunterschalten der Geräte wird zwischen einem High-Netzwerk, einem Medium-Netzwerk und einem Low-Netzwerk unterschieden.
  • Das aktuelle Arbeits-Dokument  mit den Änderungen und notwendigen Herstellerinformationen befindet sich im Anhang.

Die erforderliche Marktüberwachung liegt in den Händen der Länder so z.B. führt Niedersachsen die Prüfungen vor Ort und in Prüfstellen, je nach Gerät, durch. Kriterien für eine Prüfung sind z. B. niedriger Preis, Aktionsware, fehlerhafte Gebrauchsanweisung. Ein maximaler Prüfumfang umfasst das EBPG GPSG  ElektroG. Verstöße werden an die BAM gemeldet bzw. bei groben Verstößen auch veröffentlicht. Zwangsgelder für Erfüllung von Maßnahmen und verhängte Bußgelder für festgestellte Verstöße werden durch die Landesbehörden erhoben.
Kurz- und mittelfristig werden weitere Anforderungen für Produktgruppen veröffentlicht z. B. für Audio- und Videogeräte, Settop-Boxen, Computer, Monitore und Laptops und auch Maschinen wie Werkzeugmaschinen und Öfen.

Zum Abschluss stellte der Vortragende ein Softwareprogramm ( LIMAS ) für die Erfassung von Daten gemäß den EU-Anforderungen und ein Programm ( LCA to go ) für die Entwicklung von Ökobilanzwerkzeugen vor.


Quellen/Vortragsfolien:

Änderungen der RoHS-Richtlinie (Björn Bischoff, Umwelt Bundes Amt)

Kommunikation von Stoffdateninformationen in der Elektronik Wertschöpfungskette (Torger Trenner, Weidmüller)

Anforderungen zum Ökodesign gemäß den Verordnungen der ErP (Karsten Schischke, IZM Fraunhofer Berlin)

Weitere Anlagen:

Arbeitsdokument für Stand.By und Off-mode für elektrische Haushalts- und Büro-Geräte

Auszug aus Techletter des ZVEI 02/2011 S.2 (CE-Kennzeichnung)

Für alle EU-Umweltverordnungen, RoHS, WEEE, ElektroG, REACh und ErP befinden sich im FED-Wiki Artikel mit den Links zu Verordnungen, Informationen und Hilfen.

Weitere Interessenten für den Arbeitskreis „Umweltgesetzgebung“ mögen sich bei Klaus Dingler ( E-Mail ) oder Dietmar Baar ( E-Mail ) melden.

Referenten

Torger Trenner, Karsten Schischke, Klaus Dingler, Björn Bischoff

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Dietmar Baar
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